Homebase

Miriam Laussegger, Michaela Mück, Lucia Dovičáková, Peter Wehinger

Text


4. 2. 2010 - 12. 3. 2010
Vernissage: Freitag, 4. Dezember 2009, 19:00

Was ist ein Zuhause, welche Eigenschaften muss es haben und was muss man tun, damit man wirklich an einem Ort ankommen, sich daheim fühlen kann? Die Ausstellung „Homebase“ vereint Arbeiten von vier KünstlerInnen und Künstlern, die sich auf je eigene Weise mit dem Begriff des Zu Hause– Seins und -Fühlens befassen.

Was heißt das, ein Zimmer bewohnen? Heißt einen Ort bewohnen, ihn sich aneignen? Was heißt, sich einen Ort aneignen? Ab wann wird ein Ort wirklich der Ihre?
Ist es der Fall, wenn man seine drei Paar Socken in einer rosa Plastikschüssel eingeweicht hat? Ist es der Fall, wenn man sich auf einem Gaskocher Spaghettis warm gemacht hat? Ist es der Fall, wenn man alle einzelnen Kleiderbügel des Kleider- und Wäscheschranks benutzt hat? Ist es der Fall, wenn man eine alte Postkarte, die den Traum der heiligen Ursula von Carpaccio darstellt, mit einem Reißbrettstift an die Wand geheftet hat? Ist es der Fall, wenn man dort die Angstgefühle des Wartens oder die Überschwänglichkeiten der Leidenschaft oder die Qualen rasender Zahnschmerzen erlebt hat? Ist es der Fall, wenn man an den Fenstern Vorhänge nach seinem Geschmack angebracht, Tapeten geklebt und den Fußboden geschliffen hat?
Georges Perec

Lucia Dovicáková
2000-2006 Fakultät für Bildende Kunst, Košice (Studio Prof. Rudolf Sikora)
2003 Akademie für bildende Kunst in Bratislava, (Space communication studio of Mrg. Art. Anton Čierny)
2006 Finalist of Oskar Čepan Price
Lebt und arbeitet in Košice (SK)

Das Leben in den eigenen vier Wänden ist auch konkret das Thema der slowakischen Künstlerin Lucia Dovicáková. Ihre Malereien zeigen scheinbar banale Szenen des täglichen Lebens: Kochen, Essen, Putzen, Duschen etc. Und doch verwirren die meisten Bilder durch kleine subtile Gesten, wie wir sie nur in scheinbar unbeobachteten Momenten wagen: heimliches Nägelkauen, des Messer abschlecken oder das Austrinken des letzten Tropfens im Suppenteller. Lucia Dovicáková erlaubt ihren ProtagonistInnen intime Momente, die selten eingestanden werden und doch eben die Privatsphäre konstituieren.

Miriam Laussegger
1980 geboren in Wien
2000 – 2006 Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien, textuelle Bildhauerei bei Heimo Zobernig / Diplom mit Auszeichnung
2010 Auslandstipendium Paris bm:ukk

Was übrig bleibt, wenn das einstige Zuhause nicht mehr existiert, ist das Thema der in der Ausstellung präsentierten Arbeiten von Miriam Laussegger. „Abbruch, ein architektonischer Kontaktabzug“ – so der Titel einer Serie von Fotografien, die die Spuren abgerissener Häuser an den Nachbargebäuden dokumentieren: Abdrücke von ehemaligen Stiegenhäusern, Küchenzeilen oder Tapetenreste. Aber auch Bahnhöfe als öffentliche Orte des Wegfahrens und Ankommens - wie etwa die soeben abgerissenen bzw. umstrukturierten Bahnhöfe Wien West und Wien Mitte – dienen Miriam Lausegger als Objekte der Absenz. Gemäß der Thematik präsentiert die Künstlerin die Fotografien kaschiert auf Rigipsplatten, einem häufig verwendeten Baumaterial

Michaela Mück
1969 geboren in Salzburg
1987 – 1991 Studium für Bühnengestaltung / Akademie der bildenden Künste Wien
Lebt und arbeitet in Wien

Michaela Mück zitiert den Schriftsteller George Perec und fragt damit ganz direkt nach jenen Gegenständen, die eine private Sphäre erzeugen, einem Ort eine persönliche Note geben. Oft sind dies kleine Ansammlungen von Mitbringseln und Erinnerungen gleich einem Foto auf dem Nachtkästchen. In einem Winkel der Galerie wird die Künstlerin einen derartigen „Privataltar“ errichten, der als Stellvertreter für all jene Ablagerungen persönlicher Objekte gesehen werden kann, wie sie – oft als beinahe abstrakte Verästelungen individueller Erinnerungen – in nahezu allen Wohnungen zu finden sind.

Peter Wehinger
2005 – aktuell Akademie der bildenden Künste, Wien (Monica Bonvicini, Peter Kogler)
Lebt und arbeitet in Wien

„Metropole" Schnell, laut, Reizüberflutung, Anonymität, Entfremdung, Einsamkeit, Fastfood, schlechte Luft, Stress, Smog... Peter Wehinger baut aus Medikamentenblistern eine Großstadt. Seinem subjektiven Gefühl nachgebend, eine Mischung aus Illusion, persönlicher Erfahrung und hochgerechneter Vorstellung, unterstützt durch Literatur und Statistiken, überspitzt und fatalistisch, lassen aus den leeren Blistern, Hochhaustürme wachsen. Die Fassaden einer Großstadt aus den Verpackungen der Medikamente. Medikamente welche es den Menschen ermöglichen sollen, ihre Fassade zu wahren, normal und angepasst, unauffällig und funktionstüchtig zu sein.




Foto

of
Lucia Dovicáková, Schwiegermutterzunge, 2009
Lucia Dovicáková, We are your friends, 2009
Miriam Laussegger, Abbruch - ein architektonischer Kontaktabzug, Wien/Rembrandtstraße/#04/2008, 80 x 47 cm, Fine Art - Pigmentprint auf Fotopapier aufkaschiert auf Rigipsplatte
Miriam Laussegger, Abbruch – ein architektonischer Kontaktabzug Wien/Westbahnhof/#06 2008, 47 x 80 cm Fine Art - Pigmentprint auf Fotopapier aufkaschiert auf Rigipsplatte
Michaela Mück, Ohne Titel, Acryl und Bleistift auf Holz, 15cm x15cm, 2010
Michaela Mück, Ohne Titel, Acryl und Bleistift auf Papier, 20cm x 15cm, 2010
Peter Wehinger
Peter Wehinger
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